Geschichte des Vereins

In den Jahren 1910 bis 1914 entstanden in Neuehrenfeld die Straßenzüge Iltisstraße, Lansstraße, Takustraße und der Takuplatz. Benannt wurden diese nach einer geschichtlichen Begebenheit der Jahre 1900/01: Der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China an der auch die kaiserlich-deutsche Marieneinfanterie beteiligt war. Eines der deutschen Kriegsschiffe war das Kanonenboot Iltis unter dem Kommando von Korvettenkapitän Lans, dessen Aufgabe ein Angriff auf die Taku-Forts am Peiho-Fluss war.

Der Volksmund bezeichnete das Viertel um die nach diesem historischen Kriegsakt benannten Straßen in Neuehrenfeld fortan als “Chinese-Veedel”, und genau dort entstand siebzig Jahre später bei einem ungleich friedlicherem Dämmerschoppen in der Gaststätte Taku-Schänke die Idee zur Gründung der Karnevalsfreunde “Ihrefelder Chinese”.

Im Chinese-Veedel wohnten damals wie heute viele junge Familien. Aber die Karnevalszeit verlief eher ereignislos und nur selten verirrte sich eine “decke Trumm” in die Straßen um den Takuplatz. Dabei gab es genügend Karnevalsbegeisterte die nur auf ein Zeichen warteten um so richtig auf kölsche Art loszulegen. Dessen waren sich auch die Vereinsgründer bewusst.

Hervorgegangen aus den karnevalistischen Erfahrungen des Kegelclubs “Lahm Ente”, dessen Mitglieder und Freunde bereits am Ehrenfelder Dienstagszug teilgenommen hatten, fand im Jahr 1971 in der Gaststätte Haus Poettgen, dem heutigen Haus Reissdorf Ecke Iltisstraße/Takustraße, die Gründungsversammlung statt. Der ursprüngliche Gedanke war nicht, eine neue Karnevalsgesellschaft zu gründen, sondern einen Zusammenschluss von karnevalsfreudigen Menschen, die nach dem Motto “Spaß an der Freud” im Chinese-Veedel feiern wollten – Karnevalsfreunde eben. Kern dieser Gruppe waren die Mitglieder des Kegelclubs “Lahm Ente”, dessen Präsident Hans Kretz auch erster Präsident der “Ihrefelder Chinese” wurde. 1. Vorsitzender und Schatzmeister wurde Manfred Müller, Kassierer wurde Josef Bündgens.

Zum ersten Vereinslokal wählte man die Gaststätte Taku-Schänke in der Takustraße, die besonders an den Karnevalstagen regelmäßig aus allen Nähten zu platzen drohte. Als die Anzahl der Vereinsmitglieder das vorhandene Raumangebot schließlich allzu arg überstieg fand man 1982 zum Ort der Gründung zurück und schlug seine Zelte in der Gaststätte Haus Reissdorf am Takuplatz auf. Seit 1986 ist die Gaststätte Apenrader Hof in der Hadersleber Straße Vereinslokal der “Ihrefelder Chinese”. Hier steht den Karnevalsfreunden auch ein Saal zur Verfügung, in dem sie ihre Versammlungen und Feste abhalten können.

Am Karnevalssonntag 1973 veranstalteten die “Ihrefelder Chinese” erstmals ein Platzkonzert, ein musikalisches Frühschoppen auf dem Takuplatz. Seit 1977 findet diese Veranstaltung unter dem Namen Matinee in der Aula Dechenstraße statt und hat sich dort inzwischen zur Institution gemausert, wo sich nicht nur die Leute aus dem Chinese-Veedel bei Karneval und Kölsch treffen und gemeinsam feiern.

Darüberhinaus geben die “Ihrefelder Chinese” seit 1974 alljährlich im Januar einen Kostümball. Anfangs fand dieser in der Gaststätte Petrus-Klause am Simarplatz statt. Seit 1976 wird in der Aula Dechenstraße gefeiert, geschunkelt und getanzt. Auch diese Veranstaltung erfreut sich im Chinese-Veedel und weit darüberhinaus besonders beim jüngeren Publikum großer Beliebtheit – sicher nicht zuletzt auch aufgrund der zivilen Preise für Eintritt und Verzehr.

Seit der Vereinsgründung nehmen die “Ihrefelder Chinese” am Ehrenfelder Dienstagszug teil. Nachdem in den Anfangsjahren ein alter VW-Bus, später ein LKW zum Festwagen umgebaut wurden, erwarb der Verein 1973 einen Deutz-Traktor aus den 50er Jahren und das Fahrgestell eines Anhängers. Somit konnten die Karnevalsfreunde seit 1974 ihren eigenen selbstgebauten Festwagen im Dienstagszug mitführen, der jedes Jahr nach Entwürfen von Willi Borowski neu gestaltet wurde. Leider musste der Anhänger 1993 verschrottet werden, da die Unterstellmöglichkeit auf einem Grundstück an der Iltisstraße nicht mehr zur Verfügung stand und keine Alternative zu finden war. So nehmen die “Ihrefelder Chinese” seit 1994 mit einem gemieteten Festwagen am Dienstagszug teil. Jedoch den alten Deutz-Traktor kann man auch heute noch im Zug bewundern: Seit 1996 zieht er einen ausrangierten, einachsigen Baukolonnen-Hänger, der zum Bagagewagen umdekoriert wurde.

Die “Ihrefelder Chinese” verstanden sich von Beginn an als Familienverein, was sich auch in der erfreulich ausgewogenen Altersstruktur der Mitglieder zeigt. Die Chinesen-Frauen sind überall mit dabei und auch die Kinder gehören bei der Matinee am Karnevalssonntag und bei der Teilnahme am Ehrenfelder Dienstagszug selbstverständlich mit zum Erscheinungsbild des Vereins. Hier sieht man Kinder, Eltern und Großeltern gemeinsam Karneval feiern. Gleiches gilt für die seit 1981 stattfindenden Auftritte in der Lachenden Sporthalle, beziehungsweise in der Lachenden Köln-Arena.

Auch außerhalb der tollen Tage sind die Karnevalsfreunde aktiv. Seit 1985 nehmen die Vereinsmitglieder regelmäßig an den Wanderpokalschießen der Sankt Sebastianus Schützengilde teil, mit der die “Ihrefelder Chinese” eine enge Freundschaft verbindet. Auch beim Schützenfest und beim Schützenumzug sind die Karnevalisten als Gäste vertreten – natürlich in zivil.

Seit 1994 findet alljährlich im Sommer ein Grillfest in der Kleingartenanlage Butzweiler Straße statt, bei dem auch wechselnde Attraktionen für die Kinder geboten werden. Besonders für die Kinder veranstaltet der Verein zum Nikolaustag im Vereinslokal Apenrader Hof eine Feier, zu dem auch ein Nikolaus erscheint, der jedes Kind aufruft und ihm eine Tüte mit Süßigkeiten überreicht.

Im Herbst gehen die Karnevalsfreunde regelmäßig auf Tour. Die bei aktiven wie inaktiven Mitgliedern beliebte Fahrt ins Blaue, deren Ziel erst bei der Abfahrt bekannt gegeben wird, sorgt regelmäßig für Stimmung und gute Laune.

Darüberhinaus finden für interessierte Vereinsmitglieder immer wieder die verschiedensten Zusatzveranstaltungen statt. Hier reichen die Aktivitäten von Bild- und Tonvorträgen zu stadtgeschichtlichen Themen über Stadtrundgänge und -fahrten bis hin zu Betriebsbesichtigungen. Gelegentlich steht auch schon einmal die Teilnahme an Spaß – Fußballturnieren befreundeter Vereine auf dem Programm.

Auch das Anbringen von Informationstafeln und historischen Fotos zu den Straßennamen im Chinesen-Viertel ging auf eine Initiative der Karnevalsfreunde zurück. Die Informationstafeln in der Lansstraße und am Takuplatz sind inzwischen Bestandteil des Ehrenfelder Geschichtspfades und finden auch in Johannes Maubachs Buch “Quer durch Ehrenfeld Teil 2” ihre Erwähnung. Ebenso waren die “Ihrefelder Chinese” bei der von der Bürgervereinigung Ehrenfeld veranlaßten Sanierung des Barbarabrunnens in der Ennenstraße – ebenfalls eine Station des Geschichtspfades – tatkräftig beteiligt. Hier findet sich der satzungsgemäße Zweck des Vereins, die Pflege des kölschen Brauchtums, in einer um heimatgeschichtliche Aspekte erweiterten Form wieder.

Heute, nach mehr als drei Jahrzehnten Vereinsgeschichte sind die “Ihrefelder Chinese” mit rund 70 aktiven Erwachsenen, rund 20 aktiven Kindern und Jugendlichen und etwa 70 inaktiven Mitgliedern einer der größten Ehrenfelder Karnevalsvereine und fester Bestandteil des “Karnevals o´m Ihrefeld”. Sie sind eingetragener Verein, Mitglied der Bürgervereinigung Ehrenfeld, Trägergesellschaft des Festausschusses Ehrenfelder Karneval und Mitglied im Bund Deutscher Karneval. Aus der Gruppe um den Kegelclub “Lahm Ente” hat sich ein Verein entwickelt, der sich seinen Platz in der karnevalistischen Landschaft in all den Jahren erarbeitet hat und in seiner ganzen Art dennoch bodenständig geblieben ist – Karnevalsfreunde eben.

Text: Michael Negele